
Martini-Streifen kehren zurück in einen Wagen, der für Menschen gebaut wurde, die noch immer glauben, ein Supercar müsse sich mechanisch anfühlen
Kimera hat dem EVO38 die Lackierung gegeben, auf die es offenbar immer gewartet hat, und das Ergebnis ist mehr als nur ein kosmetisches Sondermodell. Die neue Collezione Martini nutzt die ikonische Rennpalette der Marke auf einer Allrad-, Carbon-Karosserie als Hommage an die Lancia 037 – ein Fahrzeug, dessen Silhouette bis heute zu den bekanntesten Formen des Rallyesports gehört. In Sardinien, beim Rally Storico Costa Smeralda, nutzte Kimera die Gelegenheit, um wieder mit Martini in Verbindung zu treten, und um ein Konzept zu erweitern, das erstmals mit dem Einzelstück EVO37 Martini 7 erprobt wurde. Dieses Mal ist die Idee breiter angelegt: Statt eines einzigen maßgeschneiderten Autos gibt es mehrere Lackierungen und Ausführungen.
Die frühen Themen sind wichtig, weil sie zeigen, dass Kimera den emotionalen Code des Publikums versteht. Pearl White, Vermouth Red und Dry Green sind keine zufälligen Farbbezeichnungen; sie sind Motorsport-Signale mit einer stimmigen Stimmung aus der passenden Epoche. Das Unternehmen sagt außerdem, dass nur noch eine kleine Auswahl verfügbar ist, was das Auto klar in die Welt der Ultra-Low-Volume-Collector-Specials einordnet – statt in den Bereich des Mainstream-Boutique-Baus. Für Leser, die den Aufstieg von analogen Restomods verfolgen, zeigt sich derselbe Marktlogikansatz auch in Projekten wie dem MORGAN SUPERSPORT 400 Converte 408 Hp Em Velocidade Pura, wo das Erbe im Branding und eine echte Ingenieursleistung das gleiche Gewicht haben.

Das Upgrade auf 631 PS ist der technische Grund, warum diese Martini-Version zählt
Kimera sagt, dass der 2,1-Liter-Twin-Charged-Vierzylinder nun 631 PS, also 640 PS, leistet – gegenüber 592 PS beim serienmäßigen EVO38. Das Drehmoment steigt auf etwa 700 Nm, also ungefähr 516 lb-ft, und der Drehzahlbegrenzer reicht bis 8.200 U/min. Das sind beachtliche Werte für jedes Straßenauto, aber sie wirken noch eindrucksvoller, wenn sie an einen Vierzylinder gekoppelt sind – ohne Hybridunterstützung. Das Ergebnis ist ein kompaktes, leistungsorientiertes Gesamtpaket, das Reaktionsfreude und mechanisches Schauspiel über Plug-in-Komplexität stellt.
Der Leistungszuwachs der Überschrift hängt mit der Flex-Fuel-Fähigkeit zusammen: So kann der Motor auf E85-Bioethanol laufen, um die maximale Leistung abzurufen. Kimera ergänzt zudem ein zusätzliches Ladeluftkühler-Spraysystem mit hochdrucksartigen kalten Wasserstrahlen, um die Ansaugetemperaturen auch bei anhaltender Belastung im Griff zu behalten. Diese Hardware ist mehr als nur ein Partytrick: Es ist genau die Art von Lösung, die man bei einem ernsthaften Einsatz im Motorsport auf der Rennstrecke oder bei Rallye-Anwendungen erwartet, nicht bei einem reinen Styling-Showcase. Ähnliche technische Überlegungen sind es, die den 2026 Ford Mustang Dark Horse SC und die Hennessey Venom F5 LF zu überzeugenden Vergleichsmaßstäben machen – in einer Welt, die sich zunehmend nur noch für Zahlen allein interessiert.
| Spezifikation | Kimera EVO38 Collezione Martini |
|---|---|
| Motor | 2,1-Liter-Twin-Charged-Vierzylinder |
| Leistung | 631 hp (640 PS) |
| Drehmoment | 700 Nm (516 lb-ft) |
| Drehzahlbegrenzung | 8.200 U/min |
| Antrieb | Allradantrieb |
| Getriebe | Sechsgang-Schaltgetriebe |
| Kraftstoff-Fähigkeit | Flex Fuel mit E85-Unterstützung |
| Karosseriebau | Kohlenstofffaser |
| Geschätztes Gewicht | Etwa 1.100 kg (2.425 lbs) |

Warum sich der EVO38 immer noch wie eine echte 037-Fortsetzung anfühlt – und nicht wie ein Retro-Kostüm
Die Designanleihen von Kimera sind nicht nur theatralische Verweise. Die Karosserie ist breit, kantig und in Kohlenstofffaser ausgeführt – mit acht Frontleuchten, einer belüfteten Motorhaube und Center-Lock-Rädern, die dabei helfen, die bewusst gesetzte Rallye-Anmutung des Autos einzurahmen. Die eigentliche Inspiration bleibt die Lancia 037: das letzte Heckantriebsauto, das die Weltmeisterschaft im Rallyesport gewann, als es 1983 den Titel holte. Das ist der entscheidende historische Anker: Der EVO38 zitiert nicht nur die 037, er baut um sie herum eine modernisierte, technische Argumentation.
Das annähernde Gewicht von 1.100 kg ist für das Fahrerlebnis zentral, weil es die Leistung in den richtigen Kontext setzt. Ein 631-PS-Vierzylinder bei diesem Gewicht verspricht ein Leistungs-zu-Gewicht-Verhältnis, das sich sehr kraftvoll anfühlen sollte – vor allem, wenn ein Sechsgang-Schaltgetriebe und die AWD-Traktion gemeinsam auf engen Bergstraßen arbeiten. Kimera deutet an, dass die Beispiele der Martini-Kollektion noch leichter ausfallen könnten, was die Reaktion zusätzlich schärfen würde. Zum Vergleich: Die leichte, fahrerorientierte Ausstrahlung folgt derselben Philosophie, die dem GUNTHER WERKS PROJECT ENDGAME und dem PININFARINA NSX Tensei zugrunde liegt – beide nutzen moderne Materialien, um die direkte, klassisch geprägte Fahrdynamik zu bewahren.

Der echte Marktwert steckt in der Kombination aus begrenztem Angebot und echten Hardware-Änderungen
Kimeras Entscheidung, statt einer einzigen One-off-Serie eine Martini-Subkollektion zu schaffen, signalisiert, dass die Marke eine Nachfrage nach personalisierten, historisch verankerten EVO38-Aufbauten sieht. Das ist kein Spiel für die Massenproduktion. Es handelt sich um eine kontrollierte Auslieferung von Autos mit klar unterscheidbaren Lackierungen und Ausführungen, und die Knappheit ist Teil des Angebots. Käufer erhalten einen dokumentierten Verweis auf Martins Motorsportgeschichte, bekommen aber zugleich echte mechanische Upgrades in Form von E85-Kompatibilität, überarbeiteter Kühlung, höherer Leistung und einer höheren Drehzahl-Obergrenze.
Der E85-Ansatz verdient ebenfalls Aufmerksamkeit – und zwar auch jenseits der Schlagzeile. Die höhere Oktanzahl-Toleranz von Bioethanol ermöglicht es Kimera, aus der serienmäßigen Twin-Charged-Konfiguration mehr herauszuholen, doch sie macht die Abstimmung auch stärker abhängig davon, ob der Kraftstoff verfügbar ist, und von der Disziplin beim exakten Tuning. Das ist für den wahrscheinlich interessierten Käufer kein Nachteil, denn ihn dürfte vor allem die maximale Reaktionsfähigkeit reizen – nicht der Komfort im täglichen Pendlerbetrieb. Eine ähnliche Logik steckt auch darin, warum der Audi E7X 680 PS SUV-Vorschau und der Denza Z9 EV so strategisch interessant sind: Die Ingenieursarbeit ist um ein sehr konkretes Nutzungsszenario herum geformt.

Martinis Heritage ist der emotionale Aufhänger, aber die Fahrwerksvorgabe wird festlegen, wie man fährt
Die EVO38 Collezione Martini sollte danach beurteilt werden, wie stimmig sie ihre Zutaten zusammenführt: die Dringlichkeit eines Vierzylinders, die manuelle Gangwahl, Traktion über AWD und ein Gewichts-Ziel von rund 1.100 kg. Wenn Kimera die Gasannahme und das Lenkgefühl bewahrt hat, das der ursprünglichen EVO38-Idee zugrunde lag, dann wird sie zu einem der überzeugendsten Performance-Autos in niedriger Stückzahl auf dem Markt – allein schon, weil sie sich weigert, dem Hybrid-Supercar-Baukasten zu folgen. Allein das Sechsgang-Schaltgetriebe verleiht dem Auto einen anderen Rhythmus als bei den meisten modernen Exoten, während das AWD-System dafür sorgen sollte, dass die Leistung nutzbar wird – statt zu einschüchtern.

Die K-39-Bestätigung zeigt, dass Kimera eine Marke aufbaut – nicht nur einen Tribut-Sportwagen
Die zweite große Neuigkeit ist die Bestätigung, dass Kimera seinen K-39-Hypercar produzieren wird. Im Gegensatz zum auf dem Beta Montecarlo basierenden EVO38 wird der K-39 als Clean-Sheet-Konzept beschrieben. Kimera hatte den K39 zuvor 2024 als Konzept gezeigt und dabei den Montecarlo Turbo-Silhouette-Racer als Inspiration genannt, der von 1979 bis 1981 große Trophäen gewann. Außerdem heißt es, dass weitere Details am 15. Mai folgen werden. Diese Zeitleiste ist entscheidend, denn sie deutet darauf hin, dass Kimera versucht, sich von einem einzelnen Produkt zu lösen, das vor allem auf Nostalgie setzt, hin zu einem breiteren Performance-Portfolio.
Diese Strategie spiegelt die Art wider, wie ambitionierte Nischenmarken an Glaubwürdigkeit gewinnen. Sie beginnen mit einer hochspezifischen, emotional aufgeladenen Maschine und nutzen dann diese Plattform, um technische Kompetenz unter Beweis zu stellen, bevor sie nach oben skalieren. In diesem Sinne ist der EVO38 Collezione Martini zugleich eine Hommage und ein Testfall. Wenn er gelingt, erhält Kimera die Legitimation, einen Clean-Sheet-Hypercar auf den Markt zu bringen – mit realistischen Erwartungen. Für Enthusiasten, die den breiteren Markt im Blick haben, ist das eine ähnliche Weiterentwicklung wie beim IM Motors LS8 und bei der Geely EX5 EM-i, bei der die Erweiterung der Produktpalette den langfristigen Anspruch einer Marke offenbart.

Warum dieser Kimera mehr bedeutet als nur eine Livery-Präsentation
Der EVO38 Collezione Martini funktioniert, weil er die handfeste Wahrheit des Originals respektiert. Die Martini-Grafiken sind zwar der Blickfang, aber die eigentliche Story steckt im 2,1-Liter-Twin-Charged-Motor, in der Leistung von 631 hp, in der Drehmomentangabe von 700 Nm, im Sechsgang-Manual, im AWD-System und in der kohlenstoffbasierten Leichtbau-Struktur. Diese Zutaten trennen eine ernsthafte Enthusiastenmaschine von einem thematischen Sammler-Spielzeug. Fügt man die E85-Kompatibilität und das Wassersprüh-Setup für den Intercooler hinzu, wird das Auto zu einer schärferen, anspruchsvolleren Interpretation derselben Idee.
Kimera hat etwas verstanden, das viele moderne Performance-Marken übersehen: Nostalgie ist nur dann überzeugend, wenn die zugrunde liegende Technik sie trägt. Der EVO38 Collezione Martini macht genau das – und dass er mit nur noch wenigen Fahrzeugen im verbleibenden Bestand ankommt, lässt das Gesamtpaket noch dringlicher wirken. Für Käufer, die ein straßentaugliches Auto suchen, das sich weiterhin wie ein Motorsport-Objekt verhält, ist das genau die richtige Art von Übermaß. Und für alle anderen ist es eine Erinnerung daran, dass die begehrtesten Supercars nicht immer auf dem Papier die schnellsten sind – sondern die, bei denen sich 631 hp wie eine Geschichte mit Herzschlag anfühlen.


























