
Der QX65 belebt Infinitis wichtigste Design-Idee wieder
Der 2027 Infiniti QX65 ist nicht einfach ein QX60 mit einer anderen Heckklappe; es ist Infinitis deutlichster Versuch der letzten Jahre, wieder an die FX-Formel anzuknüpfen, die der Marke einst eine Identität verlieh – jenseits des Teile-Sharing mit Nissan. Das visuelle Versprechen ist sofort erkennbar: ein flacher Dachbogen, schlankere Tagfahrlichter, ein markanterer Kühlergrill und ein sich nach hinten verjüngendes Heck, das deutlich sportlicher wirkt als der aufrechte QX60. Die Realität ist jedoch differenzierter, denn die Chrom-Gürtellinie fällt früher als das Dach selbst nach unten – und erzeugt damit die Coupé-SUV-Illusion, die im Profil stärker zur Geltung kommt als in der Funktion.
Dieser Trick ist entscheidend, weil Infiniti Käufer ansprechen will, die zwischen dem Mercedes-Benz E-Class Night Edition und anderen Premium-Modellen vergleichen, bei denen visuelles Drama häufig messbare Performance ersetzt. Die Aufgabe des QX65 ist es, so auszusehen, als hätte man die Marke weiter nach vorn gebracht – und gleichzeitig seine grundlegende Architektur mit einem weitaus konventionelleren Geschwistermodell mit drei Sitzreihen zu teilen.
Plattform-Sharing erklärt das Packaging – nicht die Persönlichkeit
Unter der Oberfläche bleibt der QX65 eng mit dem QX60 verbunden, und diese Beziehung definiert sowohl seine Stärken als auch seine Grenzen. Infiniti hat die dritte Sitzreihe entfernt, sodass es fünf Sitze gibt und hinter der zweiten Reihe 36 Kubikfuß Laderaum – gegenüber 42 Kubikfuß hinter der zweiten Reihe beim QX60. Insgesamt ist die Ladekapazität mit 68 Kubikfuß weiterhin sinnvoll, und das Passagiervolumen wird vorn mit 63 Kubikfuß sowie hinten mit 46 Kubikfuß angegeben – das ist also kein beengtes Zwei-Reihen-Experiment.

In puncto Maße misst der QX65 198,5 Zoll in der Länge, 78,0 Zoll in der Breite und 69,7 Zoll in der Höhe bei einem Radstand von 114,2 Zoll. Diese Werte ordnen ihn klar in die Premium-Mittelklasse der SUVs ein, in der die Effizienz der Verpackung fast genauso wichtig ist wie das Styling. Der Kniff dabei: Infiniti nutzt das schnelle Dach- und Heckabschluss-Design, um eine deutlich sportlichere Haltung anzudeuten, als das Fahrgestell tatsächlich liefert.
Der nächstliegende interne Vergleich ist der Nissan Pathfinder 2026, der zeigt, wie ähnliche Hardware für ein grundlegend anderes Publikum abgestimmt werden kann. Der QX65 ist nicht dafür gebaut, im deutschen Sinne ein Fahrers-SUV zu sein; er ist dafür gebaut, auf dem Händlerparkplatz so auszusehen.
Was hat sich geändert?

Der VC-Turbo trägt immer noch die Last
Antriebsseitig kommt bekanntes Infiniti-Nissan VC-Turbo-Material zum Einsatz: ein turboaufgeladenes und zwischengespültes 2,0-Liter-Reihenvier mit Aluminiumblock und -kopf, Port- und Direkteinspritzung, 268 PS und 286 lb-ft bzw. 199 kW und 388 Nm. Dazu kommt ein neunstufiges Automatikgetriebe sowie serienmäßiger Allradantrieb. Infinitis Konzept der variablen Verdichtung bleibt das technische Hauptthema und verändert das Verhältnis von 8,0:1 in Richtung 14,0:1 – je nach Last und dem Bedarf an Effizienz.
Das Problem ist das Gewicht. Infiniti schätzt den Autograph in der Top-Ausstattung auf 4.715 Pfund, was etwa 2.138 kg sind. Selbst mit variabler Verdichtung und 9 Gängen bleibt das eine beträchtliche Last für einen Vierzylinder-Antrieb, und die EPA-Einstufung von 20 mpg Stadt und 26 mpg Autobahn bestätigt, dass die Effizienz im realen Betrieb nicht so stark ist wie die technische Story.
Auf einem Markt, der mittlerweile voller elektrifizierter und hybridisierter Premium-SUVs steckt, wirkt die QX65-Konfiguration mit reinem Benzin-Antrieb eher konservativ. Der Kia EV4 GT-Line zeigt, wie schnell sich die Wahrnehmung von Wert verändert, wenn Käufer sich üppigere Technik und niedrigere Betriebskosten sichern können, ohne dafür deutsches Geld zu bezahlen.

Infinitis Sounddesign verfehlt die Zielscheibe
Der umstrittenste Teil der QX65-Fahrt ist nicht der Motor selbst, sondern der künstliche Sound, der darübergelegt ist. Infiniti fügt synthetisches Geräusch hinzu, das mit der Betätigung des Gaspedals an- und wieder absteigt und den Geräuschpegel im Innenraum um ungefähr drei bis fünf Dezibel erhöht – und dabei „V-6-Engine-Harmonien“ imitiert. Das Problem ist simpel: Von außen klingt der turboaufgeladene Vierzylinder dadurch nicht gehaltener, und innen wirkt er nicht authentischer. Er macht den Innenraum einfach nur lauter.
Die QX65 schärft außerdem das Gaspedal-Map und das Schaltverhalten des Getriebes nach. Das sorgt dafür, dass sich die ersten Millimeter des Pedalwegs sprunghaft anfühlen. Im normalen Fahrbetrieb kann die Kalibrierung noch akzeptabel sein; im Sportmodus hält das Neungstufen-Automatikgetriebe die Gänge jedoch tendenziell zu lange, was eher ein dröhnendes als ein drängendes Gefühl erzeugt. Auch frühere Zurückschaltungen beim Bremsen lassen das Auto in den letzten Metern bis zum Stillstand weniger durchdacht wirken.
Komfort ist der Ort, an dem die QX65 wirklich ankommt
Der QX65 überzeugt am meisten, wenn er aufhört, zu versuchen, einen Sport-SUV zu imitieren. Im Comfort-Modus ist die Lenkung zwar auf der schweren Seite gewichtet, die Dämpfung ist jedoch fein abgestimmt, was eine sanfte Fahrt über holprige Straßen und lange Abschnitte der Interstate ermöglicht. Aktive Geräuschunterdrückung hilft dem Innenraum, die Ruhe zu erreichen, die Käufer in diesem Segment erwarten, und die hohe Karosseriesilhouette bietet trotz der abfallenden Heckpartie weiterhin eine solide Sicht nach außen.
Das Interieur ist weitgehend ein Carryover vom QX60. Das heißt: ein ausladendes Armaturenbrett mit mehreren Farben und Oberflächen, aber auch einige Details, bei denen Kosten eingespart wurden und die den Premium-Eindruck verwässern. Hartplastik findet sich in den unteren Türverkleidungen, und die Schalterei rund um den Schalthebel sowie die Speichen des Lenkrads wirkt nicht so hochwertig, wie es der Preis vermuten lässt. Die Bedienoberfläche für die Klimatisierung ist in einer einzigen Bedienfläche unterhalb des Infotainment-Displays integriert, und sie fühlt sich weniger haptisch an als separate, physische Bedienelemente.
Der Nutzwert ist besser, als die Form vermuten lässt. Die Ablagen in den Türen und die mittlere Armlehne bieten ordentlich Stauraum, und das Ladeabteil bleibt breit genug, um tatsächlich sinnvoll nutzbar zu sein. Der Vorteil des QX65 gegenüber einem reinen Fashion-Statement ist, dass er auch im Familienalltag noch bestehen kann, ohne zur Stilübung ohne Substanz zu verkommen.

Preispositionierung legt die echte Konkurrenz offen
Die Basisausstattung Luxe startet bei $55,535, gefolgt von Sport bei $57,235 und Autograph bei $64,135. Unser Testfahrzeug stieg auf $71,355, nachdem eine $1,900 Lackoption und ein $3,700 Technology-Paket hinzukamen. Dieses Paket umfasst einen Surround-View-Monitor, der bei diesem Preis durchaus serienmäßig sein sollte – vor allem, wenn die Wettbewerber im Segment bereits vergleichbare Ausstattung in niedrigeren Ausstattungslinien anbieten.
Hier wird der QX65 aus Marktsicht am interessantesten. Im unteren Bereich kann er allein über die Wahrnehmung entweder unterbieten oder mit dem BMW 7 Series Facelift gleichziehen, doch ganz oben prallt er auf besser durchdachte Alternativen. Ein BMW X5 als Basis mit AWD ist nicht weit entfernt, und ein Genesis GV80 mit dem optionalen 3,5-Liter-Twin-Turbo-V6 bietet ein überzeugenderes Leistungs-zu-Preis-Verhältnis.
Technische Spezifikationen
| Artikel | 2027 Infiniti QX65 |
|---|---|
| Fahrzeugtyp | Frontmotor, AWD, 5-Sitzer, 4-Türer-Hatchback |
| Motor | 2,0-Liter-Turboaufladung-Reihen-Vierzylinder, DOHC, Aluminiumblock und -kopf |
| Leistung | 268 PS (200 kW) |
| Drehmoment | 286 lb-ft (388 Nm) |
| Getriebe | 9-Gang-Automatik |
| Antrieb | Serienmäßiger Allradantrieb |
| Radstand | 114,2 in |
| Länge | 198,5 in |
| Breite | 78,0 in |
| Höhe | 69,7 in |
| Leergewicht | 4.700–4.750 lb (geschätzt) |
| Kofferraumvolumen hinter der zweiten Sitzreihe | 36 cu ft |
| Kombinierter Kraftstoffverbrauch | 22 mpg (10,7 L/100 km) |
| Kraftstoffverbrauch innerorts | 20 mpg (11,8 L/100 km) |
| Kraftstoffverbrauch außerorts | 26 mpg (9,0 L/100 km) |
| Geschätzte 0–60 mph | 7,5 s |
| Geschätzte Höchstgeschwindigkeit | 120 mph (193 km/h) |
Das beste Argument des QX65 ist seine Zurückhaltung
Der 2027 Infiniti QX65 ist am stärksten, wenn man ihn als verfeinerten, stilvollen Luxus-SUV mit zwei Sitzreihen beurteilt – mit praktischem Platz, einem ruhigen Innenraum und vertrauten mechanischen Komponenten, die eher auf entspanntes Reisen als auf Dramatik abgestimmt wurden. Am schwächsten wirkt er, wenn man ihn mit dem FX-Mythos vergleicht, den er eindeutig hervorrufen soll. Das Design verkauft den Anspruch, die Technik liefert die Kompetenz, und der synthetische Soundtrack versucht zu sehr, die Lücke zu schließen.
Für Käufer, die einen attraktiven Premium-Crossover mit serienmäßigem AWD, 268 PS und einem weicheren Fahrgefühl als der deutsche Standard suchen, ergibt der QX65 durchaus Sinn. Für Enthusiasten, die mit einem echten geistigen Nachfolger des ursprünglichen FX rechnen, wird die Illusion spätestens dann offensichtlich, wenn das Gaspedal durchgedrückt ist und das 9-Gang-Getriebe zu dröhnen beginnt.




















